ich habe lange überlegt, ob ich hier auch etwas über die geburt unseres sohns im august schreiben soll, möchte, kann. zuerst wollte ich es, dann schien es mir zu offen für etwas so intimes, bewegendes und jetzt möchte ich mit den lesern unter euch, die mitgehen möchten, einen mittelweg wählen.
während der schwangerschaft hatte ich euch von meinen negativen erlebnissen
erzählt, untersuchungen, die ohne stichhaltige anhaltspunkte angeordnet werden, vorwürfe, die man in einer phase aushalten muss, in der ich mich als sehr empfindsam und auf alle umweltsignale sensibel reagierend erlebt habe.
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| spaziergang ca. 54 stunden vor geburtsbeginn |
wie ging es weiter? ich habe mich davor geschützt, auf mein körpergefühl vertraut und mich mit möglichst neutralen quellen informiert bzw. aussagen mehrerer seiten wahrgenommen und für mich gewichtet. meine wundervolle hebamme hat mich in diesen monaten getragen. die vorsorge habe ich nur noch bei ihr gemacht, jeder termin war ein schönes ereignis. kindslage, -bewegungen und übungswehen konnte ich wunderbar spüren und so sicherheit gewinnen. auf langwierige ctgs, die dennoch nur momentaufnahmen bleiben, habe ich verzichtet, vaginale untersuchungen nur bei den großen ultraschallterminen erlebt (und bei einer nächsten schwangerschaft würde ich sie auch dort ablehnen). dass es wegen der guten vorbedingungen dann eine geburtshausgeburt werden durfte, dafür bin ich dankbar, weil ich weiß, dass schwangerschaften auch schwieriger sein können und mutter und kind dann ärzte tatsächlich brauchen und ihre hilfe lebenswichtig ist.

die geburt war für mich ein gigantisches, bewegendes und prägendes ereignis. wenige stunden nach einsetzen der wehen kamen wir mitten in der nacht im geburtshaus an. das geburtszimmer umschloss mich wie eine schützende höhle mit kerzenlicht, spätsommerblumen und einer umarmung der hebamme. die schmerzen vergaß ich so in den wehenpausen beinahe, wir hatten tatsächlich sogar viel spaß; während der wehen konnte ich in ruhe arbeiten. dieses wort passt zur geburt, wie ich sie erlebt habe, am allerbesten. bei jeder wehe arbeitete ich wie noch nie in meinem leben, mit jeder minute arbeitete ich mich unserem kind entgegen, in dieser nacht arbeitete ich mit dem baby in mir, meinem mann und den beiden hebammen, die keine minute den raum verließen. völlig frei und selbstbestimmt tat ich alles, was mir gut vorkam, unterstützt von drei personen, die ich gut kenne. mit dem morgengrauen kam unser kind im wasser auf die welt, aufgefangen von mir selbst, zu mir genommen zusammen mit meinem mann und der hebamme. zu dritt im bett konnten wir uns danach in völliger ruhe kennenlernen, dieses wunder bestaunen. und stärken, mit selbstgebackenem zwetschgenkuchen, tee und musik für die seele.

in meinem bericht lasse ich dammriss, und -naht, nachgeburt, den schwierigen weg nach hause und die sehr stattlichen maße unseres babys, die mir wohl bei einer krankenhausgeburt den rat zur sectio eingebracht hätten, aus; nicht, weil mein geburtsbericht hier die realität verzerren will, sondern weil ich frauen, die über eine außerklinische geburt nachdenken, mut machen möchte, auf sich zu vertrauen. das, was ich hier beschreibe und betone, ist auch das, was immer in meiner erinnerung an die geburt bleiben wird und: es ist das, was ich während der geburt wahrgenommen habe, was wichtig und gut so war.