Montag, 14. November 2011

geburt

ich habe lange überlegt, ob ich hier auch etwas über die geburt unseres sohns im august schreiben soll, möchte, kann. zuerst wollte ich es, dann schien es mir zu offen für etwas so intimes, bewegendes und jetzt möchte ich mit den lesern unter euch, die mitgehen möchten, einen mittelweg wählen.
während der schwangerschaft hatte ich euch von meinen negativen erlebnissen erzählt, untersuchungen, die ohne stichhaltige anhaltspunkte angeordnet werden, vorwürfe, die man in einer phase aushalten muss, in der ich mich als sehr empfindsam und auf alle umweltsignale sensibel reagierend erlebt habe.
spaziergang ca. 54 stunden vor geburtsbeginn
wie ging es weiter? ich habe mich davor geschützt, auf mein körpergefühl vertraut und mich mit möglichst neutralen quellen informiert bzw. aussagen mehrerer seiten wahrgenommen und für mich gewichtet. meine wundervolle hebamme hat mich in diesen monaten getragen. die vorsorge habe ich nur noch bei ihr gemacht, jeder termin war ein schönes ereignis. kindslage, -bewegungen und übungswehen konnte ich wunderbar spüren und so sicherheit gewinnen. auf langwierige ctgs, die dennoch nur momentaufnahmen bleiben, habe ich verzichtet, vaginale untersuchungen nur bei den großen ultraschallterminen erlebt (und bei einer nächsten schwangerschaft würde ich sie auch dort ablehnen). dass es wegen der guten vorbedingungen dann eine geburtshausgeburt werden durfte, dafür bin ich dankbar, weil ich weiß, dass schwangerschaften auch schwieriger sein können und mutter und kind dann ärzte tatsächlich brauchen und ihre hilfe lebenswichtig ist.

die geburt war für mich ein gigantisches, bewegendes und prägendes ereignis. wenige stunden nach einsetzen der wehen kamen wir mitten in der nacht im geburtshaus an. das geburtszimmer umschloss mich wie eine schützende höhle mit kerzenlicht, spätsommerblumen und einer umarmung der hebamme. die schmerzen vergaß ich so in den wehenpausen beinahe, wir hatten tatsächlich sogar viel spaß; während der wehen konnte ich in ruhe arbeiten. dieses wort passt zur geburt, wie ich sie erlebt habe, am allerbesten. bei jeder wehe arbeitete ich wie noch nie in meinem leben, mit jeder minute arbeitete ich mich unserem kind entgegen, in dieser nacht arbeitete ich mit dem baby in mir, meinem mann und den beiden hebammen, die keine minute den raum verließen. völlig frei und selbstbestimmt tat ich alles, was mir gut vorkam, unterstützt von drei personen, die ich gut kenne. mit dem morgengrauen kam unser kind im wasser auf die welt, aufgefangen von mir selbst, zu mir genommen zusammen mit meinem mann und der hebamme. zu dritt im bett konnten wir uns danach in völliger ruhe kennenlernen, dieses wunder bestaunen. und stärken, mit selbstgebackenem zwetschgenkuchen, tee und musik für die seele.
in meinem bericht lasse ich dammriss, und -naht, nachgeburt, den schwierigen weg nach hause und die sehr stattlichen maße unseres babys, die mir wohl bei einer krankenhausgeburt den rat zur sectio eingebracht hätten, aus; nicht, weil mein geburtsbericht hier die realität verzerren will, sondern weil ich frauen, die über eine außerklinische geburt nachdenken, mut machen möchte, auf sich zu vertrauen. das, was ich hier beschreibe und betone, ist auch das, was immer in meiner erinnerung an die geburt bleiben wird und: es ist das, was ich während der geburt wahrgenommen habe, was wichtig und gut so war.

Kommentare:

  1. Was für ein schöner Bericht! Und die Fotos - so sinnlich und sinnig! Die Geborgenheit im Geburtshaus wird spürbar ... du hast es gut gemacht, auf dein eigenes Gefühl zu vertrauen!

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  2. Wie wunderschön, diese Einblicke, sie rühren mich sehr. Ich wollte vor 18 Jahren zuhause entbinden. Leider hat es dann nicht so geklappt. Und bei der zweiten Schwangerschaft lief ich dann unter "Risiko". Heute würde ich es wieder so machen, vor einer Woche erst habe ich eine Homöopathin für Frauenheilkunde gefunden. Von ihr hätte ich mich bei der Schwangerschaft begleiten lassen. Mal sehen was meine Tochter einmal machen wird :-)
    Alles Liebe und danke,
    Susanne

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  3. Danke für Deinen Bericht. Er berührt mich wohl deshalb sehr, weil es mir ganz ähnlich ergangen ist. Ich habe meine beiden Kinder ambulant im Geburtshaus geboren und würde es immer wieder so machen. Bei einer Geburt sieht man für einen Augenblick in den Himmel, und die meisten Hebammen in Geburtshäusern wissen darum und können Raum lassen für die grosse Ehrfurcht, die dieses Erlebnis begleitet.

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  4. Ein wundervoller, berührender und so wahrer Bericht - danke dafür!
    Mal seinen eigenen Körper spüren - so wahr!
    HG
    Birgit

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  5. liebe Linnea, ich habe ein Tränchen verdrückt beim lesen von deinem wunderschönen Geburtsbericht. Viele Erinnerungen an meine eigenen Geburten sind in mir hochgekommen. Es geht mir auch so wie dir, was bleiben sind die Erinnerungen an die schönen Momente der Geburt, zu spüren wie es vorwärts geht, wie ich mit dem Baby zusammen gearbeitet habe und der wunderbarste Moment vom ersten mal in die Augen schauen, halten und kennen lernen. Ich habe mich von Herzen für dich gefreut, dass du die Geburt in einer solch schönen Umgebung erleben durftest. Bei mir war es leider auch dieses Mal eine Krankenhausgeburt. Doch ich kann den Blasensprung 2 Wochen vor dem Termin, das lange Warten auf die Wehen, Einleiten und schliesslich eine Geburt von gerade mal einer guten Stunde die mich völlig überrollt hat, gut annehmen. Was zählt sind die schönen Momente und mein liebes kleines Mädchen.
    herzliche Grüsse von ela

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  6. Manchmal ist es gut, sich seinem Gefühl überlassen zu können, ich finde es schön dass du dich auch mitteilst und teilst mit uns.
    Diese Momente bewahrst du dein ganzes Leben, und stärkt dich, du kannst dich weiter auf dich verlassen und einem neuen Geburtserlebnis gelassen entgegen sehen. Ich freue mich mit euch!
    ganz liebe Grüße Elfi

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  7. Was für schöne Erfahrungen beschreibst du da. Ich habe damals gar nicht darüber nachgedacht und bin in die Klinik gegangen, heute würde ich vieles anders machen. Aber trotzdem ist es gut wie es war.
    Danke für diese sehr schönen Gedanken.
    ♥liche Grüße
    Bine

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  8. Liebe Linnea,

    danke für Deinen tollen Bericht, der einmal mehr Mut macht, seinem eigenen Gefühl zu vertrauen. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, warum eine Schwangerschaft so viele Menschen dazu ermutigt, ungefragt Meinungen und Ansichten kundzutun- vor allem bei einer Erstgebärenden. Da fällt es einem schon manchmal schwer, diese zu selektieren und das für sich beste rauszusuchen.
    Du ermutigst mich dazu, auch weiterhin meinem Gefühl zu vertrauen, die richtigen Entscheidungen für uns und unseren Sohn zu treffen.
    Liebe Grüsse, Kirstin

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  9. Was für ein schöner Bericht. Meine erste Geburt war von Komplikationen gespickt, sodass ich ganz froh war, dass ich ohne lange nachzudenken ins Krankenhaus gegangen bin. Die zweite Doppelgeburt war Kaiserschnitt - ein wunderschönes Erlebnis, obwohl man das gar nicht für möglich hält im OP und noch dazu so "unnatürlich", aber manche Ärzte und Hebammen haben einfach eine Gabe, in einem sterilen Bereich Wärme und Geborgenheit zu vermitteln (natürlich niemals vergleichbar mit dem, was du beschreibst...) - nach der Zwillingsgeburt haben wir gesagt, was uns noch fehlt, ist eine ganz normale Geburt. Ohne Probleme, einfach Natur pur in schöner Atmosphäre. Geburtshäuser gibt es hier nicht, mal sehen, was die Zukunft bringt ;)
    Alles, alles Liebe und genieße dein kleines (eigentlich ziemlich großes) Wunder!! maria

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  10. meine liebe.
    tausend dank für disen geburtsbericht, für die worte, die du gefunden hast, dieses wunder zu beschreiben!
    es bestärkt mich darin, einen ähnlichen weg zu gehen, & mich auf märz zu freuen!
    liebste grüße, stephani

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  11. Dammriss? :-O
    Oh Gott! Das hört sich furchtbar an!

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